Erfolgreiche Präsentation des Südtiroler Armutsnetzwerks im Landtag

Heute hat die Vorsitzende des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit, Roberta Rigamonti, dem Plenum des Südtiroler Landtages die Entstehung, Zusammensetzung und die Ziele des Südtiroler Armutsnetzwerks vorgestellt. Das Netzwerk verfolgt das Ziel, Armut in Südtirol frühzeitig zu erkennen, besser zu verstehen und ihr gemeinsam entgegenzuwirken.

Die Juni-Juli-Sitzungswoche des Südtiroler Landtages wurde am heutigen Mittwochvormittag, 1. Juli 2026 mit dem institutionellen Tagesordnungspunkt Vorstellung des Südtiroler Armutsnetzwerks im Landtag fortgesetzt.

„Der Landtag ist der Ort des demokratischen Austauschs und der Vertretung der Interessen unserer Bevölkerung. Deshalb freuen wir uns, eine Initiative willkommen zu heißen, die sich einem Thema von großer gesellschaftlicher Bedeutung wie der Bekämpfung der Armut widmet“, begrüßte Landtagspräsident Angelo Gennaccaro die Referentinnen und Referenten. „Das Armutsnetzwerk ist ein hervorragendes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Institutionen, Wissenschaft, Ehrenamt und Zivilgesellschaft. Nur durch Dialog und Zusammenarbeit lassen sich wirksame Lösungen finden und eine inklusivere Gesellschaft vorantreiben.“

Partner des Südtiroler Armutsnetzwerkes

Roberta Rigamonti, Präsidentin des Dachverbandes für Soziales und Gesundheit (DSG), und Elisa Berger, Koordinatorin des Südtiroler Armutsnetzwerks „Alle gegen Armut“, berichteten, dass das Netzwerk im Mai 2025 gegründet wurde. Ausgangspunkt war ein institutionsübergreifendes Manifest, das von den landesweiten Südtiroler Vereinigungen aus Arbeit, Bildung, Kultur, Wirtschaft, Soziales und Umwelt und weiteren Akteuren unterzeichnet wurde, darunter dem damaligen Landtagspräsidenten Arnold Schuler für den Südtiroler Landtag. Dieses beschreibt fünf wichtige Maßnahmen, mit denen Armut entgegengewirkt werden kann:
1. Armut überall und in all ihren Formen bekämpfen;
2. Werte in der Gesellschaft festigen;
3. zwischenmenschliche Beziehungen stärken;
4. gleiche Chancen für alle gewährleisten;
5. Grundbedürfnisse erfüllen.

Armut, unterstrichen Rigamonti und Berger, könne nicht nur punktuell oder gelegentlich angegangen werden - Armutsprävention sei eine gemeinsame Verantwortung. Und auf eben dieser Prävention liege der Fokus des Netzwerks, für die Bekämpfung seien die Partner des Netzwerks zuständig. Zu den Themen des 2-Jahresprogramms 2026/27 des Netzwerks, das 22 Organisationen und Institutionen vereint, gehören die Sensibilisierung für zentrale Themen des Netzwerks, etwa Bildungsarmut und leistbares Mieten, sowie die Datenerhebung; im Herbst sind zudem eine Fortbildung für Journalisten und die Tagung Wer hat Chancen – und wer nicht? – Bildungsarmut in Südtirol zwischen Anspruch und Wirklichkeit geplant.

Ruth Sapelza, Forscherin am Kompetenzzentrum für Soziale Arbeit und Sozialpolitik der unibz und deren Delegierte im Armutsnetzwerk, berichtete, dass mit finanzieller Unterstützung des Landes Südtirol empirische Studien zum Thema Armut durchgeführt wurden. Diese seien unabdingbar, so Sapelza, um Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse zu erhalten, die auch als Grundlage für evidenzbasierte Politik und Praxis dienen können.

Eine dieser Studien, Armutsrisiken für Familien mit Kindern zwischen 0 und 15 Jahren in Südtirol (2021/22), wurde anschließend von unibz-Forscher Evan Tedeschi vorgestellt: Daraus geht u.a. hervor, dass Armut nicht nur mit dem Einkommen zusammenhängt, sondern auch mit den Wohnverhältnissen, der Stabilität und der Art der Beschäftigung der Eltern sowie deren Bildungsniveau und dem Gesundheitszustand der Familienmitglieder. Die Armutsgefährdung steigt bei drei oder mehr Kindern, bei Alleinerziehenden oder bei einem kürzlich erfolgten Umzug nach Südtirol.

Christa Ladurner, Soziologin im Forum Prävention, sprach dann über eines der Kernthemen des Armutsnetzwerks, der Bildungsarmut: Diese sei nicht nur am schulischen Lernerfolg festzumachen, sondern bestehe dann, wenn Kinder und Jugendliche ihre Talente nicht entfalten können. Bildungsarmut stehe in engem Zusammenhang mit der Lebenssituation der Eltern. Bei Defiziten gelte es, betonte Ladurner, frühzeitig zu unterstützen, unter anderem durch Sprachförderung, ganztägige Bildungsangebote, frühe Hilfen für die Familien sowie für alle zugängliche Freizeit- und Kulturangebote. Andernfalls wirke sich Bildungsarmut auch auf die Gesellschaft und damit die Volkswirtschaft aus und verursache hohe Folgekosten.

Monica Devilli, Präsidentin von Coopbund Alto Adige Südtirol, befasste sich anschließend mit einem weiteren Kernthema des Netzwerks, dem leistbaren Mieten: Dieses sei Voraussetzung für sozialen Zusammenhalt. Doch derzeit seien die Wohnkosten für viele unerschwinglich, deshalb müssten stabile und nachhaltige Mietverhältnisse mit gemeinwohlorientierten Modellen gefördert werden. Dazu sollten Instrumente wie Genossenschaften mit gemeinschaftlichem Eigentum, langfristige Mietverhältnisse und generationenübergreifende Wohnprojekte genutzt werden. Die Wohnpolitik solle sich auf langfristige Leistbarkeit ausrichten.

Es folgte ein Austausch mit den Landtagsabgeordneten: LH Arno Kompatscher kündigte u.a. die Einführung regelmäßiger Erhebungen zu den Armutsrisiken an und bat das Netzwerk um Mitarbeit dabei. Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) verwies u.a. auf die Altersarmut, ein Thema, das in der Präsentation zu kurz gekommen sei. Brigitte Foppa (Grüne) sprach u.a. über “die Wohltat” in diesem Saal durch die Vorstellung des Netzwerks so über Armut gesprochen zu haben. LR Marco Galateo erklärte u.a., dass es keine wirtschaftliche Entwicklung geben könne, wenn jemand zurückgelassen werde. Franz Ploner (Team K) zeigte sich u.a. erstaunt über die relativ dünne Datenlage zur Armut in Südtirol.
Die Referierenden nahmen zu den Aussagen der Abgeordneten Stellung: Christa Ladurner, Soziologin im Forum Prävention, sagte u.a., dass man von der Altersarmut im Land wisse, den Fokus aber auf das weniger bekannte Thema der Bildungsarmut legen wollte. Ärmere Menschen hätten oft große Hemmnisse, in die Einrichtungen zu kommen, es brauche niederschwellige Angebote - diese würden eher angenommen. Unibz-Forscherin Ruth Sapelza bedankte sich u.a. beim LH für das Angebot zur Mitarbeit. Armut sei multidimensional; Sapelza verwies ebenso auf die Armutsgefährdungsschwelle und die strukturellen Ursachen von Armut.
Roberta Rigamonti, Präsidentin des Dachverbands für Soziales und Gesundheit (DSG), bedankte sich abschließend für die Möglichkeit, das Netzwerk im Landtag vorzustellen. Armut sei kein persönliches Versagen, sondern entstehe, wenn nicht die richtigen Maßnahmen gesetzt würden. Das Netzwerk allein könne dies nicht leisten, es sei die Politik, die dafür verantwortlich sei, die Voraussetzungen zu schaffen, damit niemand zurückbleibe.

Präsident Angelo Gennaccaro kündigte u.a. an, dass man sich künftig regelmäßig mit dem Netzwerk treffen und Austauschen wolle.

Hier geht es zur Präsentation:
Präsentation des Südtiroler Armutsnetzwerkes und der Kernthemen